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Tristan und Isolde Manaus - Opernwelt 2011
Manaus gehört zu jenen romantisch verrotteten Belle-Epoque-Perlen, die man sich schön sehen muss und kann. Die bunt gestrichenen Fassaden des Dritten Rokoko und ihre verspielten Stuckaturen, Patios, Fayence-Kacheln und Eisenbalustraden Wettstreiten mit der barocken Vegetation und Vogelwelt. Die Amazonas-Metropole verdankte ihren märchenhaften Reichtum dem Kautschuk-Boom in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als die Engländer den Samen nach Asien exportierten, war es damit zu Ende. Malaysia produzierte billiger. 1925 schloss das rosafarbene Opernhaus, das ab 1883 mit seiner weithin sichtbaren in den brasilianischen Nationalfarben Grün und Gelb auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet und Silvester 1896 eingeweiht worden war. Nach aufwändiger Restaurierung wurde es 1997 seinem Dornröschen-Schlaf entrissen. Nun feierte das jeweils im April/ Vlai stattfindende Manaus Opera Festival sein 15-jähriges Jubiläum.
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Ein Problem für die Amazonas Filarmônica, deren Streicher wunderba- warm und homogen klingen, derer Holz- und Blechbläser beim «Tristan aber an Grenzen vor allem der Konzentration stoßen, ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Nachdem das Interesse geweckt, die Ausbildung des Nachwuchses in die Wege geleitet ist, geh: Malheiro nun auch dieses Feld an. Instrumentenbauer aus der Region aus der 2700 km südlich gelegenen Metropole São Paulo experimentieren gerade mit einheimischen Hölzern, um Streichinstrumente zu bauenum die den klimatischen Bedingungen des regenwaldes gewachsen sind. Und auch auf dem Gebiet der musikwissenschaftlichen Sicherung, Erforschung und Verbreitung des brasilianischen Kulturerbes ist der Festivalleiter initiativ. Nachdem mit Unterstützung des Kulturministeriums modernes Aufführungsmaterial für alle zehn Bühnenwerke des «brasilianischen Verdi» Carlos Gomes (1836-1896) hergestellt und die wichtigsten in Manaus aufgeführt wurden, geht es nun darum, entstellte Opern bekannter Komponisten in ihrer Urfas- sung zu rehabilitieren und verschollene Werke aufzufinden und zu retten.
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Klingt dieses Programm, zu dem aber auch gängigere Titel von «La traviata» bis «Hansel und Gretei» (sowie anspruchsvoller «Mainstream» von «Les Troyens» über «Lulu» (2012) bis «König Roger» (2013) zählen, nicht ein wenig elitär? Malheiro lacht. «Hier in Ma- naus ist jedes Stück neu. Die Leute sind auf jede Oper gespannt. Ich habe also freie Hand.» Dass er seine hochgesteckten Ziele auch erfüllen kann, zeigt die Neuproduktion von Wagners «Tristan». Sie wurde als Hommage an Eliane Coelho auf den Spielplan gesetzt. Die brasilianische Sopranistin gehörte seit 1983 zu Michael Gielens Frankfurter, seit 1991 zu loan Holenders Wiener Ensemble. Sie zeichnete denn auch ein bis in die kleinste Nuance ausgefeiltes, faszinierend vielschichtiges Porträt der «irischen Maid» als «Frau mit Vergangenheit» und adelte es mit südlicher Wärme, souverän disponiertem Farbreichtum und betörender Legato-Kunst. Da war keine Phrase, keine Geste dem Zufall überlassen: eine Liebende und Hassende von mythischer Größe, eine schillernde Medea nicht aus nordischem Nebel, sondern aus kolchisch-ägäischer Glut.
Diese Interpretation war möglich geworden, weil sich Orchester und Regie ganz in den Dienst dieser Gestalterin stellten. Malheiro las seine organischatmenden Tempi fast wie ein Lied-


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